Letzte Aktualisierung: 10. November 2025
In der Welt der Textilsiegel hat sich der GOTS (Global Organic Textile Standard) als internationale Referenz etabliert. Er wurde 2002 von vier Pionierorganisationen gegründet — der Organic Trade Association (USA), dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (Deutschland), der Soil Association (Vereinigtes Königreich) und der Japan Organic Cotton Association — und zielt darauf ab, sicherzustellen, dass Bio-Textilprodukte strenge ökologische, soziale und ethische Kriterien vom Rohstoff bis zum Etikett erfüllen.
Die jüngste Version, v7.0, veröffentlicht im März 2023 und seit März 2024 in Kraft, verschärft die Anforderungen in den Bereichen Rückverfolgbarkeit, Chemie und Menschenrechte.
GOTS unterscheidet zwei Stufen der Kennzeichnung:
Die Zusatzangabe « in conversion » unterstützt mittlerweile Produzent*innen im Übergang zur ökologischen Landwirtschaft.
Im Gegensatz zu anderen Siegeln, die sich auf den Faseranbau konzentrieren, reguliert GOTS den gesamten Verarbeitungsprozess: Spinnen, Färben, Weben/Stricken, Konfektion und Distribution. Es verlangt, dass die Fasern aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft stammen, und legt strenge Regeln fest zu:
GOTS verbietet die gefährlichsten Stoffe für Gesundheit und Umwelt: Schwermetalle, Formaldehyd, APEO-Tenside, synthetische Pestizide, PFAS, Nanopartikel sowie krebserregende Farbstoffe.
Produktionsstätten müssen:
Zertifizierte Unternehmen müssen umsetzen:
Die sozialen Kriterien basieren auf den Kernübereinkommen der IAO3 und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie umfassen:
Die Version 7.0 führt einen Ansatz der unternehmerischen Sorgfaltspflicht (Due Diligence) ein: Jedes Unternehmen muss seine sozialen und ökologischen Risiken bewerten und die ergriffenen Präventions- bzw. Abhilfemaßnahmen nachweisen.
Jeder zertifizierte Akteur erhält ein Scope Certificate, das seinen Tätigkeitsbereich definiert. Warentransaktionen werden durch Transaction Certificates begleitet, die die lückenlose Konformität vom Garn bis zum Kleidungsstück garantieren.
GOTS hat digitale Tools zur Stärkung der Transparenz eingeführt:
Unternehmen unterliegen jährlichen Audits und unangekündigten Inspektionen, die von 19 unabhängigen Stellen durchgeführt werden (u. a. Ecocert in Frankreich, Soil Association im Vereinigten Königreich, Control Union in den Niederlanden, ICEA in Italien …).
GOTS-zertifizierte Produkte müssen technische Prüfungen bestehen, die ihre Haltbarkeit und Sicherheit gewährleisten:
Pflegeetiketten sollen umweltfreundliche Waschempfehlungen enthalten.
Der Global Organic Textile Standard gehört heute zu den umfassendsten Ansätzen für nachhaltige Textilien. Er verbindet Boden und Gewebe, indem er Umwelt, Beschäftigte und Verbraucher*innen kohärent in den Blick nimmt.
Auch wenn er die Komplexität globaler Lieferketten und mögliche Fehlentwicklungen nicht vollständig eliminiert, bleibt GOTS die glaubwürdigste und anerkannteste Zertifizierung der Branche. Seine Strenge und Transparenz machen ihn zu einem wichtigen Orientierungspunkt für Marken und Konsument*innen, die ethische und verantwortungsvolle Mode suchen.